Ausstellung: Der Wandel des Weltbildes in der Frühen Neuzeit und seine Folgen

Veröffentlicht 14. Juni 2019

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Bis zum 6. Oktober 2019 ist die Ausstellung „Der Wandel des Weltbildes in der Frühen Neuzeit und seine Folgen“ in der Johannes a Lasco Bibliothek zu sehen.

„Vielleicht ist noch nie eine größere Forderung an die Menschheit geschehen: denn was ging nicht alles durch diese Anerkennung in Dunst und Rauch auf: ein zweites Paradies, eine Welt der Unschuld, Dichtkunst und Frömmigkeit, das Zeugnis der Sinne, die Überzeugung eines poetisch-religiösen Glaubens; kein Wunder, dass man dies alles nicht wollte fahren lassen, dass man sich auf alle Weise einer solchen Lehre entgegensetzte.“

Wer sich hier so überschwänglich über den Wandel des Weltbildes in der Frühen Neuzeit äußert, ist kein Geringerer als Goethe. Übertrieben hat er nicht. Begonnen hatte alles mit einem astronomischen Handbuch, das in der Einsamkeit im einst ermländischen Frauenburg – heute Frombork – entstanden und 1543 in Nürnberg erschienen war. Sein Titel: „De revolutionibus orbium caelestium“, zu deutsch: „Über die Umschwünge der himmlischen Kreise“.

Was war an diesen Umschwüngen „revolutionär“? Nun, Nikolaus Kopernikus, der Autor jenes Werkes, schlug vor, sich den Betrachter der Himmelsbewegungen selbst bewegt zu denken, Sonne und Sterne aber ruhend vorzustellen. Für die Astronomen stellte das im Grunde kein großes Problem dar, schwieriger wurde es schon, wenn nach der physikalischen Realität dieser Annahme gefragt wurde. Denn sehen konnte man davon – nichts. Als man 1838 vermöge damals moderner Beobachtungsinstrumente die jährliche Bewegung der Erde um die Sonne und 1851 die tägliche Rotation mittels des Foucaultschen Pendels tatsächlich beweisen konnte, interessierte sich niemand mehr für diese Beweise: Die sogenannte „heliozentrische“ Theorie hatte sich längst durchgesetzt. Natürlich war dies nicht ohne weiteres von statten gegangen, da die neue Theorie ein radikales Umdenken erforderlich machte. Aus der Reform der Astronomie war ein dauerhafter Wandel der Weltbilder geworden.

 

Das allmähliche Eindringen dieser Theorie in die gelehrten Diskurse des 16. und 17. Jahrhunderts bedeutet den Beginn moderner Wissenschaft: Man machte sich unabhängig von den Autoritäten der Vergangenheit, dem Wissen der Antike, den überkommenen Interpretationsweisen der Bibel. Abstrakte Modelle auf Grundlage von empirischen Messungen und nicht mehr der bloße Augenschein waren nun der Weg zum Auffinden der Wahrheit. Die Welt wurde größer: Glaubte man zuvor, die Entfernungen zu den Planeten noch in einigen Tausenden von Meilen bestimmen zu können, überstiegen die Ausmaße des Universums rasch die Grenzen des Vorstellbaren. Und entsprechend wurde die Erde kleiner: Bald schon meldete sich ein banges Gefühl, als Mensch in dem schier unendlichen Raum verloren zu sein. Die alten Bilder, mit denen man sich in einer überschaubaren Welt hatte orientieren können, passten nicht mehr, neue Vorstellungen mussten sie ersetzen. Die Folge war ein Wandel von Grund auf, der Astronomie und Physik, Philosophie, Theologie bis hin zur musikalischen Harmonie erfasste.

Die Ausstellung in der Johannes a Lasco Bibliothek Emden veranschaulicht diesen Wandel anhand zahlreicher Bücher, Karten und Illustrationen sowie weiteren Exponaten und eröffnet faszinierende Einblicke in die Gelehrtenwelt der Frühen Neuzeit.

 

 

Praktische Informationen

Johannes a Lasco Bibliothek
Kirchstraße 22
26721 Emden
Geöffnet Mo. – So. 14 – 17 Uhr
Eintritt: 5 € /erm. 2,50 €

 

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Daten

Start
9. Juni 2019

Ende
6. Oktober 2019

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